Frauen-Power soll jetzt endlich das Blatt wenden
Neue
Pläne fürs
betagte Beginenhaus: Ein Zentrum für Frauen (von Markus Raffler)
[Allgäuer Zeitung, 18. Dezember 2002]
Was gab es in den letzen Jahren nicht für Ideen, um aus dem Schandfleck
ein Schmuckstück zu machen: Büros sollten eingerichtet werden,
exklusive Appartements und Studentenwohnungen. Doch alle Versuche, dem
maroden Beginenhaus in der Burgstraße neues Leben einzuhauchen
scheiterten. Nun gibt es einen neuen Anlauf: Aus dem Beginenhaus soll
ein Frauen-Zentrum mit vielfältiger Nutzung werden – vom Café über
eine Anwaltskanzlei bis zum Kultur-Treff. Eine Idee, die beim Baureferat
der Stadt auf „große Sympathie“ stößt.
Das Gemäuer am Illerufer wurde im späten Mittelalter als „Seelhaus“ und
Sitz einer Schwesternschaft (Beginen) errichtet. Die ältesten Teile
reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück das Beginenhaus zählt
damit zu den ältesten Profanbauten Kemptens. Für das Landesdenkmalamt
Grund genug, Haus und Rückgebäude (der in die Stadtmauer integrierte
Nonnenturm) „überregionale Bedeutung“ zuzuschreiben,
so Dr. Markus Weis.
Doch alle Versuche, eine geeignete Nutzung für den weitgehend original
erhaltenen Veteranen zu finden, misslangen. Auch die Baufirma Dobler,
die das Haus Ende der 80er Jahre zum Symbolpreis von einer Mark gekauft
hatte, biss sich daran die Zähne aus.
Dank „Frauen-Power“ soll sich das Blatt nun endlich wenden:
eine etwa 15-köpfige Gruppe um Bernadette Mayr (FrauenKulturZentrum)
und Historikerin Birgit Kata will auf einer Gesamtfläche von rund
800 Quadratmetern Lebens- und Arbeitsräume für Frauen schaffen
und damit „kulturelle und gewerbliche“ Impulse in der Altstadt
schaffen. Räume für Vereine und Verbände könnten
dabei ebenso entstehen, wie Praxen, Werkstätten, Ateliers sowie
ein Café und Veranstaltungsbereich. „Durch Ausstellungen
und Kleinkunst könnte das Beginenhaus zu einem Anziehungspunkt für
alle Kemptener, aber auch für Auswärtige werden“, sind
Mayr und Kata überzeugt. Dabei gelte es, die Nutzung auf die sensible
Bausubstanz abzustimmen und nicht umgekehrt – wie bisher.
Ziel der Frauen ist nun, einen Förderverein zu gründen, der
das Nutzungskonzept verfeinert, Bauforschung vorantreibt und – schwierigste
Aufgabe – Geld für die rund 1,5 Millionen Euro teure Sanierung
mobilisiert. Vorbild ist dabei das Projekt „Villa Viva“ von
ein guter Teil der nötigen Mittel durch Spenden und Benefizaktionen
hereinkam.
Angetan von den Plänen sind neben Hansjürg Hensler (Altstadtfreunde)
und Dr. Hildegard Sahler (Denkmalamt) auch Baureferentin Monika Beltinger.
Setze das Projekt doch für das Beginenhaus, aber auch die Belebung
der Altstadt wichtige Impulse. Voraussetzung: „Die Finanzierung
steht auf vernünftigen Beinen“. Wobei im Rahmen der Städtebauförderung
auch städtische Unterstützung winke.
Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Allgäuer
Zeitung.
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17. Januar 2005
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