Auch im Beginenhaus schlummern „Schätze“
Wie am Mühlberg: Spannende Funde in historischem Gemäuer
[Allgäuer Zeitung, 8. Juni 2006, S. 33]
Kempten (raf). Von außen wirkt es unverändert marode, doch
drinnen wird nach halbjähriger Pause wieder angepackt: Restauratoren,
Statiker und Mitarbeiter von archäologischer Abteilung/Kulturamt
leisten derzeit die Vorarbeiten für die geplante Sanierung des Beginenhauses.
Das denkmalgeschützte Ensemble in der Burgstraße gibt dabei
ständig neue Spuren seiner 700-jährigen Geschichte frei: Münzen,
Tierknochen, Keramikreste, ja sogar eine Zündnadelpistole von 1845
wurden aus den Decken-Zwischenräumen (Fehlböden) geborgen.
Einzelne Funde sind im Foyer des Allgäu-Museums zu sehen.
Wie berichtet, ist das stadtgeschichtlich hochkarätige Gemäuer
inklusive Rückgebäude (Nonnenturm) von der Baufirma Dobler
an die Stadt zurückübereignet worden. Im Schulterschluss mit
der Stadt will der Förderverein Beginenhaus das aus dem 13./14.
Jahrhundert stammende Ensemble fachgerecht sanieren und eine geeignete
Nutzung finden. Geplant ist, dort ein Zentrum für Vereine und Frauen
einzurichten.
Unter Regie des Fördervereins wurden in den vergangenen Monaten
wichtige Notmaßnahmen durchgeführt, so Vorsitzende Birgit
Kata: „Um gravierende Wasserschäden abzuwenden, mussten wir
kurzfristig eine Dachrinne instandsetzen. Außerdem haben wir mit
mehreren Zugankern einen Dachstuhl stabilisiert.“ In beiden Fällen übernahm
der Verein die anfallenden Kosten. Auch bei den aktuellen Arbeiten für
Gebäude-Gutachten, Sanierungs- und Nutzungskonzept (allesamt Voraussetzung
für die grundlegende Instandsetzung) buttert der Verein Geld dazu.
In Absprache mit dem Landesdenkmalamt wurden Fachleute mit der Bauforschung,
der restauratorischen und statischen Beurteilung sowie der Schadenskartierung
beauftragt. Der Verein selbst zeichnet verantwortlich für eine umfangreiche
Fotodokumentation aller Räume und unterstützt die Archäologie
bei Sondage-Grabungen in Keller und Nonnenturm.
Ähnlich wie vor zehn Jahren im teils romanischen Mühlberg-Ensemble
(St.-Mang-Platz) erweisen sich auch hier die Fehlböden als Schatzgrube
für die Stadtgeschichte: Von mittelalterlichen Münzen und kleinen
Waffen über Kaufmanns-Briefe bis zu Tierknochen reicht die Bandbreite.
Vieles hatten die früheren Bewohner zwischen den Ritzen des Bodens
verloren – oder als „Hausmüll“ entsorgt. Bislang
habe man nur einzelne Böden geöffnet. Den Rest werde man systematisch
untersuchen, kündigt Kata nun an.
Älter als die Stadtmauer?
Spannend ist nach Einschätzung der Historikerin auch die Untersuchung
der Baugeschichte: „Es ist gut möglich, dass die ältesten
Teile des Ensembles bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen und damit älter
sind als die im Nonnenturm integrierte Stadtmauer.“ Die repräsentative
Steinbauweise, aber auch aufwändige Bau- und Ausstattungsdetails
aus Gotik, Renaissance und Barock zeigten, dass in den vier Wohnungen
beileibe keine armen Schlucker lebten. Kata: „Im Gegenteil: Das
waren gehobene Bürger der Reichsstadt.“
Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Allgäuer
Zeitung
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9. Juni 2006
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