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Baugeschichte, Baugestalt und AusstattungDas Beginenhausensemble in Kempten spiegelt in seiner Gestalt und seiner vielfältigen Ausstattung die Bauphasen seiner mehr als 650-jährigen Geschichte wider. Die Häusergruppe besteht aus dem sogenannten Beginenhaus in der Burgstraße und dem sogenannten Nonnenturm in der Burghaldegasse. Verbunden sind beide durch einen größtenteils modernen Zwischenbau. Die Gebäude umschließen damit an drei Seiten einen kleinen Innenhof. » Lernen Sie die Gebäude bei einem „virtuellen“ Spaziergang kennen! Das Beginenhaus
Erdgeschoss und erstes Obergeschoss sind zu Beginn der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstanden (dendrochronologisch datiert auf 1357). Die westliche Haushälfte hat im Erdgeschoss einen großen, hohen Raum, der im Mittelalter als überdachte Einfahrt und Lager diente. Nur die östliche Haushälfte weist unter dem dortigen Hochparterre einen tonnengewölbten Keller auf, der bereits im 13. Jahrhundert entstand.
Im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts (dendrochronologisch datiert auf 1584/86) wurde das Haus um das zweite Obergeschoss aufgestockt. Die westliche Hälfte wurde zu dieser Zeit komplett mit einer aufwändig gearbeiteten Kassettendecke ausgestaltet, die heute noch größtenteils erhalten ist. Für den nordöstlichen Saal haben die Untersuchungen an den Wänden eine Holzvertäfelung bis in eine Höhe von etwa 180 cm, sowie eine feine Rankenmalerei darüber nachgewiesen. Das gewaltige Dachgeschoss (dendrochronologisch datiert auf 1584/86) besitzt neben der Hauptebene zwei weitere Spitzböden. Bei der Dachkonstruktion handelt es sich um ein Kehlbalkendach mit zwei übereinander liegenden Stühlen und einem aufgehängten Mittellängsverband. Der Nonnenturm
Der charakteristische Sandsteintorbogen in der Südfassade, der heute als Haupteingang dient, befand sich ursprünglich auf der Nordseite des Beginenhauses als Einfahrtstor in den erwähnten befahrbaren Lagerraum. Das Tor wurde dort 1936 ausgebaut und 1943 an der heutigen Stelle wieder eingebaut. Das Erdgeschoss des Nonnenturms, das bereits in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gebaut wurde, wird durch zwei tonnengewölbte Räume dominiert. In einem kleinen, sich nordöstlich anschließenden Raum findet sich eine Kemptener Eigenheit, die hier für das ganze 16. Jahrhundert und im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts belegt ist: Um die hölzerne Decke – vornehmlich aus Brandschutzgründen – verputzen zu können, wurden Ziegelplatten mit eisernen Nägeln an der Decke befestigt.
Erstes und zweites Geschoss sowie der Dachstuhl des Nonnenturms wurden gegen Ende des 14. Jahrhunderts gebaut (dendrochronologisch datiert auf 1392/95). Im ersten Stockwerk finden sich außerdem Reste einer spätmittelalterlichen Bohlenstube, also eines holzverkleideten Wohnraums. Im zweiten Obergeschoss finden sich drei solcher ehemaligen Bohlenstuben in unterschiedlichem Erhaltungszustand aus der Zeit um 1585. Die südwestliche Bohlenstube weist an den beiden großzügigen Fenstern im Süden Sitznischen auf. In diesem Raum stand bis in die 1990er Jahre ein grün glasierter Kachelofen vermutlich aus dem Frühbarock. Leider sind von diesem nur noch wenige Fragmente erhalten geblieben (ob er mutwillig zerstört wurde oder aus dem leer stehenden Gebäude „gerettet“ werden sollte, ist bislang ungeklärt). In diesem Geschoss findet sich außerdem eine stattliche Kochstelle mit begehbarem Kaminabzug, was auf eine frühere Funktion als Großküche hinweist. Das original erhaltene Dachgeschoss ist als Kehlbalkendach mit dreifach stehendem Stuhl ausgebildet. Der Zwischenbau und der InnenhofBis auf die westliche Außenwand aus dem Mittelalter besteht der Zwischenbau heute aus modernen Zutaten des 19. und vor allem 20. Jahrhunderts. Außentüren im ersten und zweiten Geschoss weisen sowohl am Beginenhaus als auch am Nonnenturm darauf hin, dass es seit dem Mittelalter eine Verbindung zwischen den beiden Gebäuden gegeben haben muss. Wie diese aussah, ist nicht genau bekannt. Anzunehmen sind hölzerne Laubengänge oder eine Fachwerkkonstruktion. So waren auch die einzelnen Geschosse des Beginenhauses bis ins 19. Jahrhundert vornehmlich von außen an der Südwand zugänglich. Die erhaltenen hölzernen Balkone und Malereireste an der Südfassade, die den einstigen Treppenverläufen folgen, zeugen noch heute davon. Die Treppen, die sich gegenwärtig im Beginenhaus befinden, sind erst in moderner Zeit eingebaut worden. Der angebaute Aborterker an der Südostecke des Beginenhauses stammt aus dem 19. Jahrhundert. 18. November 2008 |
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