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Wie geht's weiter mit dem „Aschenputtel“?
Beginenhaus: Erst Gutachten, dann Sanierung – Hensler sauer (von Markus Raffler)
[Allgäuer Zeitung, 21. Januar 2005, S. 25]
Was wird denn nun aus dem „Aschenputtel“ in der Burgstraße?
Seit zwei Jahren gibt es Pläne, das denkmalgeschützte Beginenhaus
in ein Zentrum für Frauenprojekte zu verwandeln (wir berichteten).
Doch noch immer steckt das Vorhaben in der Planungsphase. Das wird sich
laut Beginenhaus-Förderverein bald ändern. „Bis Herbst
soll ein Gebäude-Gutachten vorliegen, dann kann die Sanierung beginnen“,
so Vorsitzende Birgit Kata. Zuvor allerdings muss das Areal ins Eigentum
der Stadt übergehen. Damit verbunden ist eine Zahlung von rund 30
000 Euro an den Vorbesitzer – eine Tatsache, die die Altstadtfreunde
scharf kritisieren.
Bislang gehört der von außen äußerst
unansehnliche Veteran aus dem 14. Jahrhundert der Baufirma Dobler. Das
Kaufbeurer Unternehmen hatte den Gebäudekomplex mit seinem hochkarätigen
Innenleben 1989 für den symbolischen Preis von einer Mark erworben,
war mit seinen Sanierungsplänen letztendlich aber am Landesdenkmalamt
gescheitert.
Seit gut zwei Jahren versucht nun „FrauenPower“,
das Beginenhaus samt Rückgebäude („Nonnenturm“)
mit Leben zu füllen.
Ziel ist es, dort Frauen auf verschiedensten Ebenen ein Domizil zu bieten – von
der Ärztin bis zur Künstlerin, vom Verein bis zum Müttertreff.
Für den ersten Schritt, ein Gebäude-Gutachten, hat der Förderverein
bereits die nötige Eigenbeteiligung von 5000 Euro gesammelt. Den
Rest wird laut Schriftführerin Bernadette Mayr das Denkmalamt übernehmen – „vorausgesetzt,
das Beginenhaus wird zuvor an die Stadt rückübereignet.“
Diesem
Schritt steht laut Baureferentin Monika Beltinger nichts im Wege. „Der
Liegenschaftsausschuss hat zugestimmt, dass das Beginenhaus ins Treuhandvermögen
der Stadt übergeht.“ Vor Beginn der Sanierung müsse aber
noch ein weiterer Beschluss des Ausschusses her: nämlich der, dem
Förderverein grundsätzlich das Feld zu überlassen. Doch
auch dafür stehen die Zeichen laut Beltinger gut. Einzige Hürde:
Es müsse ein detailliertes Nutzungs- und Finanzierungskonzept her.
Zitat: „Der Ansatz des Fördervereins ist vernünftig.
Wir wollen dem zarten Pflänzchen deshalb gerne eine Chance geben.“ Baureferentin
Monika Beltinger
„Wir begrüßen diese Pläne und versuchen, sie aktiv
anzuschieben“, erläutert Hansjürg Hensler, Vorsitzender
der Altstadtfreunde. Schließlich sei das Beginenhaus ein baugeschichtliches
Juwel für Kempten. Harsche Töne schlägt er dagegen an,
wenn es um die Rückübereignung des Gebäudes geht. „Dass
die Firma Dobler für Instandsetzungsmaßnahmen Geld von der
Stadt haben will, ist ein Skandal“, poltert er. Schließlich
habe die Firma die beiden Nachbargebäude, die damals im Paket mit
dem Beginenhaus übereignet wurden, „gut verwertet.“ Doch
Dobler stehe auch für das weniger lukrative Beginenhaus in der Verantwortung,
betont Hensler.
Baureferentin Beltinger bestätigt, dass Dobler von
der Stadt rund 30 000 Euro für substanzerhaltende Maßnahmen
(etwa am Dach) erhalten soll. Wobei die Summe bereits auf das reduziert
sei, was der Firma vertragsbedingt zustehe. Wann das Geld fließen
wird, sei offen. „Wir verdienen hier nichts, im Gegenteil“,
unterstreicht schließlich Dobler-Mitarbeiter Hans Gaul: „Denn
es fließen
bei weitem nicht alle Investitionen an uns zurück.“
Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Allgäuer
Zeitung.
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21. Januar 2005
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